Seng met un schwätz platt

Geschrieben von: Leben im Dorf am .

Wer will der kann! So hätte man auch den Mundartabend des Kulturfördervereins betiteln können, denn es gab viele „Plattschwätzer“ und alle waren sie Könner ihres Fachs. Das Programm sah sechs „Plattschwätzer“ und „Plattschwätzerinnen“ vor, aber am Ende waren es doppelt so viele, da der Veranstalter ja durchaus darum gebeten hatte, dass man sich spontan melden konnte um etwas vorzutragen. Unter ihnen auch der 87 jährige Helmut Eichmann, der mit einem Gesangssolo das Publikum überraschte.

Bürgermeister Klaus Lütkefedder versuchte sich bei seiner Begrüßung auch als „Plattschwätzer“, und hieß in der vollbesetzten „Eidtsfritze Schauer“ alle herzlich willkommen. Den Anfang machte kein geringerer als der Bürgermeister der Stadt Hadamar, Michael Ruoff. In seiner launigen Art erzählte er vom „Boijermaster“ Schmidt, der einen beim Suff verlorenen Hut über die Stadtkasse ersetzt haben wollte. Als Routinier in Sachen „Platt schwätze“ begann Rita Wörsdörfer aus Salz. Wie in den Vorjahren konnte sie mit ihren selbst erfundenen Geschichten aus dem Alltag eines alten Ehepaares erzählen. An ihre verstorbene Landsmännin Liesel Jacob aus Salz, erinnerte Kathi Eid. Aus Jacobs Büchlein „Su wor et bei us im Westerwald“ brachte sie die Geschichte „Der Schorsch un der Kircheschlof“. Marga Ludwig aus Hundsangen hatte sich ihre Tochter Sieglinde zur Unterstützung mitgebracht. Sie berichtete von der Biogärtnerin und ihre Tochter vom Unterschied „Froijer un Hau“. Aus „Geminne“ kam Adolf Kessler. Im historischen Bauernkostüm erzählte er von seiner Liebe zu einer Kuh, und erntete damit viel Gelächter. Elfi Kronimus entführte die Besucher in die Jetztzeit, wo eine „Arbesesopp mit Wurscht“ in einem Limburger Kaufhaus eine Rolle spielte. Friedel Ickenroth aus Kuhnhöfen ließ es sich nicht nehmen mit launigen Geschichten ganz spontan die Gäste zu unterhalten. Ebenso wie Norbert Schuld aus Mengerskirchen. Der glänzte mit seinem Siegerbeitrag, den er beim NNP-Mundartwettbewerb gewonnen hatte. Er schilderte anschaulich die Geburt einer Kuh, bei der er geholfen hatte. Hierbei zog er am Ende der Kuh das Kalb heraus, und musste sich vom vorn stehenden Bauern anhören: „Norbert zäj en Tirolerhout of, sos hiert die Kou of ze presse. Denn wenn die sich remdreht un deisch säit, man die dot Kälbsche wär schun do!“. Dann kam der Sologesang von Helmut Eichmann, der in einer selbstgetexteten Moritat aus der Nachkriegszeit das Liebesglück von Lore und Heinrich besang. Einen „Bären“ band Joachim Trenz letztlich dem Publikum auf, bevor der Abend in den gemütlichen Teil überging. Dazu sorgten vor allem Hausherr Hubert Eidt und Otto Merfels. Mit ihren Schifferklavieren sorgten sie für die musikalische Unterhaltung des Abends. Eigens gedruckte Liedhefte wurden eifrig genutzt und das Publikum sang kräftig mit. Es ist immer wieder die tolle Atmosphäre die „Eidtsfritze Schauer“ zum optimalen Ort für die Veranstaltung macht, die zum sechsten Mal stattfand. Da fiel es auch Moderator Dieter Ehinger nicht schwer das Publikum bei Laune zu halten. Was bei einer Besucherin zu dem Resümee führte: „Heute Abend habe ich mehr gelacht als im letzten Viertel Jahr zusammen!“

Plattschwaetzer 2016

Adolf Kessler aus Gemünden erschien in origineller Bauernkleidung