kongress2013-450

Perspektiven – Praxis – Potentiale

  • Welche Chancen hat der ländliche Raum?
  • Was kann eine Gemeinde gegen Leerstand tun?
  • Wie bleiben unsere Dörfer attraktiv?
Der Kongress in Meudt hat die verschiedenen Fragen und Aspekte des Wallmeroder Modells »Leben im Dorf – Leben mittendrin« beleuchtet, und Experten haben in ihren Vorträgen hilfreiche Lösungsansätze zur Belebung der Ortskerne beschrieben.

Hier finden Sie das:
sowie Presse- und Fernsehbeiträge im unteren Bereich der Seite.

Klaus Lütkefedder
Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wallmerod

Ein bundesweites Vorbild

Geschrieben von: Leben im Dorf am .

2013-npw-KongressModell wird gern kopiert

Das in Wallmerod initiierte Programm „Leben im Dorf - Leben mitten drin“ ist zu einem Erfolgsmodell geworden, das gerne von anderen „abgekupfert“ wird.

Bundesweit hat der Kongress zum Thema „Leben im Dorf - Leben mitten drin“ großen Anklang gefunden. Aus ganz Deutschland reisten Experten, Kommunalpolitiker und Bürgermeister in den Westerwald, um sich entweder über das Projekt der Verbandsgemeinde Wallmerod oder aber über Probleme in Sachen Dorfentwicklung und demografische Entwicklung zu informieren.

Die Organisation und die Grundidee zu diesem Kongress lag bei Verbandsbürgermeister Klaus Lütkefedder, der nach ein paar Tagen ein positives Fazit zog. „Der Kongress hat mir im Wesentlichen zwei Dinge aufgezeigt. Die Auswirkung der demographischen Entwicklung auf den ländlichen Raum sind in ganz Deutschland ein aktuelles Thema. Von daher verwundert es mich nicht, dass wir Besucher von Emden bis zum Bodensee und von Belgien bis nach Bayern auf unserem Kongress begrüßen konnten und offensichtlich liegen wir mit unserer Initiative „Leben im Dorf - Leben mitten drin“ genau richtig, um auf die Veränderungsprozesse gerade in den Ortskernen zu reagieren.“

Für Klaus Lütkefedder ist dieser Kongress ein Ansporn in den Bemühungen um die Erhaltung und Entwicklung der Ortskerne nicht nachzulassen. Er hat aber auch gezeigt, dass die Themen Nahversorgung, Gesundheitsversorgung und Infrastrukturen wie schnelles Internet für die Zukunft immer wichtiger werden. Und die demographische Entwicklung erfordert eine noch stärkere Konzentration auf die Generation 65 plus, der am stärksten wachsende Teil der Bevölkerung.

Fragen wie das Wohnen im Alter oder der Verbleib in der häuslichen Umgebung werden Kernthemen der kommunalpolitischen Arbeit der nächsten Jahre und Jahrzehnte werden.
„Wohnen im Alter“

„Da passt es sehr gut, dass bereits für die nächste Sitzung des Verbandsgemeinderates Wallmerod seitens der CDU-Fraktion ein Antrag „Wohnen im Alter - Alt werden im Dorf“ vorgelegt wurde. Das zeigt mir, dass auch im Verbandsgemeinderat der Wunsch vorhanden ist, dieses Thema nicht auf die lange Bank zu schieben sondern unmittelbar aufzugreifen.“

Das Modell der Verbandsgemeinde „Leben im Dorf - Leben mittendrin“, das vor Jahren durch den damaligen Verbandsbürgermeister Jürgen Paulus angestoßen wurde, war Gegenstand vieler Gespräche im Rahmen des Kongresses und wurde mehrfach als eines der wenigen funktionierenden Modelle für die Ortsinnenentwicklung benannt. So hat beispielsweise Bürgermeister Lübbers aus Barnstorf in Niedersachsen im Zuge seines Vortrages darauf hingewiesen, dass er das Programm und die Richtlinien, ja sogar die Formulare von Leben im Dorf eins zu eins übernommen hat und ebenfalls sehr gut mit diesem Programm fährt.

Eine konkrete Beteiligung anderer Gemeinden findet sich im Rahmen der Kooperation mit der Verbandsgemeinde Westerburg, fünf Ortsgemeinden sind an dem Projekt Leben im Dorf mit Berzahn, Girkenroth, Weltersburg, Willmenrod und Winnen beteiligt. Mittlerweile liegen aus diesen Orten schon die ersten drei Förderanträge vor, die in der Verbandsgemeinde Wallmerod quasi im Rahmen der Amtshilfe abgewickelt werden.

Ein Ziel des Projektes ist es unter anderem dem Trend der Landflucht entgegenzuwirken. Der Trend, dass gerade junge Menschen in die Städte ziehen, ist sicherlich vielerorts unverkennbar. Gleichwohl haben funktionierende Dörfer und Dorfgemeinschaften ihre Qualitäten, die es offensiv herauszustellen gilt. „Das Zusammenleben von Jung und Alt, der Zusammenhalt der Generationen und das Leben im Einklang mit der Natur sind Werte, die es dauerhaft zu erhalten gilt. Dann bleibt auch weiterhin das Leben auf dem Land und das Leben in unseren Dörfern attraktiv, auch für junge Familien.“
Grundversorgung

Wichtig sei auch die Grundversorgung der Bewohner in der Verbandsgemeinde, die nach Auffassung von Klaus Lütkefedder ohne Probleme funktioniert. Dabei ist natürlich im zentralen Ort Wallmerod eine besondere Konzentration von Einkaufsmärkten festzustellen, die weit über die Ortsgemeinde hinaus von Bedeutung ist. Darüber hinaus gibt es nach wie vor in vielen Orten Bäcker, Metzger oder auch Lebensmittelgeschäfte. Allerdings bleibt auch die Verbandsgemeinde Wallmerod nicht von den Konzentrationsbewegungen und der Aufgabe unrentabler Standorte verschont. „Gerade für kleine Orte erproben wir daher derzeit das Modell des Mobilen Marktes, mit durchaus gutem Erfolg. Dieses Konzept wird mittlerweile in einigen Gemeinden im Westerwaldkreis übernommen und wird vom Kreis finanziell unterstützt.“
Schrottimmobilien

Aber man ist vonseiten der Verbandsgemeinde Wallmerod auch auf andere Projekte in Deutschland aufmerksam geworden. Für den Bereich der Ortsinnenentwicklung kam ein interessantes Beispiel aus Franken, nämlich der Umgang mit sogenannten „Schrottimmobilien“. Dort bewegt sich die Gemeinde durch Ankauf und Abriss aktiv auf dem Immobilienmarkt. „Dies könnte an einigen Stellen durchaus helfen, problematische Gebäudesituationen zu verbessern. Darüber hinaus ist mir noch einmal die besondere Bedeutung der Bedarfe der älter werdenden Gesellschaft ins Bewusstsein gerückt worden und die Bedeutung des Zugangs zu schnellem Internet.“ Das wichtigste Projekt ist nach Auffassung von Klaus Lütkefedder die Konzeption „Wohnen im Alter - Alt werden im Dorf“ und parallel dazu das Thema „Standortfaktor Internet“.

Diese beiden Themen werden bereits in der nächsten Sitzung des Verbandsgemeinderates am 26. September behandelt. „Darüber hinaus gilt es, bestehende Infrastrukturen zu erhalten, die auch ein Stück weit die Attraktivität der Dörfer steigern, wie beispielsweise das Angebot eines Freibades in Hundsangen“, so Lütkefedder. Auch dieses Thema befindet sich auf der Tagesordnung der Sitzung des Verbandsgemeinderates.

NNP, Artikel vom 25.09.2013, Klaus-Dieter Häring

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